Mobilität mit Hindernissen
Bei Anruf: Taxibus / Neues öffentliches Verkehrssystem ist in Espelkamp gestartet
Espelkamp. Es ist Sonntag, und Gunter Kramer möchte mit dem Bus vom Rathaus in Espelkamp nach Lübbecke fahren. Aber das geht plötzlich nicht mehr so einfach. An Sonntagen ist der normale Busverkehr gestrichen worden. Stattdessen fährt der Taxibus. Und der rollt – wie der Name schon sagt – nur auf Anruf.
Wie das funktionieren soll, darüber weiß der ehrenamtlich tätige MobilAgent Gunter Kramer ganz genau Bescheid. Ein Taxibus sei wie ein Linienbus, der eine halbe Stunde vor Fahrtbeginn unter Tel. (0 1801) 21 22 21 angerufen werden muss, erklärt er. Die Fahrtkosten sind gleich hoch geblieben. Zudem muss der Fahrer nicht genau die vorgegebene Linie einhalten und auch nicht Menschen, die entlang der Strecke an einer Haltestelle warten, mitnehmen – wenn die sich nicht für die Fahrt angemeldet haben. Dann rollt der Bus halt an ihnen vorbei.
Dieses neue System wurde wegen der geringen Nachfrage bei den bisherigen Sonntags-Buslinien eingeführt – wie es die Mindener Kreisbahn/Mühlenkreisbus selbst in ihrem neuen Fahrplan-Heft mitteilen. So wurden nun bestehende Linien teilweise oder auch komplett durch einen Taxibus ersetzt. In Espelkamp sind die Linien 591 und 630 betroffen. Hier geht an Sonn- und Feiertagen nichts mehr. Bei der Linie 591 betrifft das auch den Samstag.
Gunter Kramer ist überzeugt, dass die Busse wegen schlechter oder gar keiner Beratung und der zu geringen Werbung leer blieben. "Nun soll das neue System dem Bedarf gerecht werden. Das macht die Mobilität, vor allem für die ältere Generation, nicht einfacher", sagt Kramer. Er selbst ist 79 Jahre alt und sorgt sich vor allem um die Mobilität der älteren Menschen.
"Wenn beispielsweise ein Senior von hier aus zum Lübbecker Krankenhaus fahren möchte, muss dieser einmal umsteigen und somit zwei Taxibusse bestellen. Das ist viel Aufwand, den keiner betreiben möchte", so der Mobil-Agent.
Ferner befürchtet Gunter Kramer, dass der Busverkehr durch Einführung des neuen Taxibus-Systems komplett eingestellt werden könnte. Positiv am Taxibus ist aus seiner Sicht das Dauer-Abo: wenn regelmäßig zur selben Uhrzeit jemand abgeholt werden möchte. Dies eigne sich besonders für Gruppen oder auch für den Weg zur Arbeit, um sicher zu stellen, dass genügend Plätze vorhanden sind.
Im neuen Fahrplan-Heft, erhältlich in den Linienbussen sowie im Espelkamper Bürgerbüro und im Bürgerbus, sind die Fahrten der Taxibusse mit "T" gekennzeichnet. Gunter Kramer weist darauf hin, dass im Heft eigentlich nur auf zusammengefasst drei Seiten Linienbusse genannt werden. Der Rest betrifft Linien, die überwiegend von Schulbussen bedient werden – und die fahren nicht in den Ferien. Auch gibt es Linien, die wiederum nur in den Ferien fahren. Das führt häufiger zur Verwirrung unter den Fahrgästen.
Der Mobil-Agent aus Espelkamp kennt den Ärger, die so manche Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mit sich bringt. Durch seine langjährige Tätigkeit als Unternehmensberater war er ständig auf den Nahverkehr angewiesen. Aus diesem Grund hat Kramer sich zur Aufgabe gemacht, als Mobil-Agent Fahrgästen zu helfen.
Westfalenblatt vom 21.09.2011 - Bericht und Foto von Jasmin Sudermann
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