Wir über uns
MobilAgenten – Ehrenamtliche Berater in Sachen Bus und Bahn
Das eigene Auto: Für die meisten Erwachsenen gehört es zum Alltag wie die Zahnbürste. Fortbewegungsmittel und Statussymbol in einem, des Deutschen liebstes Kind. Für die meisten Jugendlichen ist der Erwerb des Führerscheins und der Besitz eines eigenen Autos ein großer Schritt in Richtung Unabhängigkeit.
Das eigene Auto: Staus auf Autobahnen, Schritt-Tempo in der Rushhour, Parkplatznot in den Innenstädten, Luftverschmutzung, Benzinpreise auf hohem Niveau.
Die Situation:
Nicht nur für viele Berufspendler gibt dieser Zustand Anlass, sich über Alternativen zum eigenen PKW Gedanken zu machen und auf Bus und Bahn zurückzugreifen. Auch Kinder, denen nicht ständig „Mama-Taxi“ zur freien Verfügung steht, ältere Menschen, die für die alltäglichen Wege kein eigenes Fahrzeug besitzen oder auch Familien, die zur Freizeitgestaltung den ÖPNV nutzen möchten – allen stellt sich irgendwann die
Frage nach dem Wie.
- Wie finde ich heraus, wann mein Bus fährt?
- Wie viel kostet die Fahrt?
- Wie erhalte ich das richtige Ticket?
- Wie kann ich die für mich günstigste Möglichkeit finden?
Für diese und ähnliche Frage steht mancherorts eine Mobilitätsberatung der Verkehrsunternehmen zur Verfügung. Aber gerade in ländlichen Regionen ist die Finanzierung eines professionellen flächendeckenden Beratungsangebots unmöglich. Natürlich bekommt man die Informationen auch im Internet. Aber oft liegen die Schwierigkeiten in der Suche nach den richtigen Informationsforen oder dem Wunsch nach persönlicher Beratung. Oder es ist erst gar kein Internetzugang vorhanden.
Ein neuer Weg der Mobilitätsberatung:
In den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford werden Beratungslücken jetzt auf einem anderen Weg abgedeckt: Durch ein Netz von ehrenamtlichen Mobilitätsberatern/-innen, den so genannten „MobilAgenten“. Wir sind Nachbarn, kommen aus dem Ort, kennen die Belange der Mitbürger und die örtlichen Gegebenheiten.
- Wir geben Fahrplanauskünfte,
- zeigen Freizeitmöglichkeiten auf
- suchen das passende Ticket raus oder
- kümmern uns um eventuelle Probleme
mit Verkehrsunternehmen.
Kurz: Wir helfen den Bürgerinnen und Bürgern, sich besser im Öffentlichen Verkehr zurechtzufinden.
Wir bieten „Sprechstunden“ in einem öffentlich zugänglichen Raum (z.B. Bürgerberatung) an und sind auch außerhalb dieser Zeiten telefonisch erreichbar. So konnten wir inzwischen ein dichtes Beratungsnetz innerhalb der beiden Kreisgebiete aufbauen. Zurzeit sind wir 10 MobilAgenten/-innen, die für die 20 Kommunen zuständig sind und werden dabei von vielen Aufgabenträgern unterstützt. Sie haben uns Beratungsräume mit Internetzugang bereitgestellt. Aber auch Sparkassen und Volksbanken stellen ihre Kundenhalle mit einem Beratungsplatz für die MobilAgenten zur Verfügung.
Unsere Beratung ist kostenlos. Das macht sie für die Nutzer attraktiv. Andererseits ziehen wir keinen finanziellen Nutzen aus ihrer Beratungstätigkeit.
Wir
- sind unabhängig,
- arbeiten ehrenamtlich und überparteilich, und
- unterstreichen damit unsere Glaubwürdigkeit.
Durch unsere Tätigkeit betrachten wir MobilAgenten uns als Bindeglied zwischen Anbietern und Nutzern des ÖPNV, werden von Verkehrsunternehmen geschult, erhalten von ihnen aktuelle Informationen zu Fahrplanänderungen und Sonderverkehren und geben andererseits Anregungen oder auch mal eine Beschwerde der Kunden an sie weiter. Bei unserer Beratung geht es uns nicht um ständig verfügbare, möglichst kurzfristige Fahrplanauskünfte, denn die bekommt man auch bei der telefonischen Fahrplanauskunft. Vielmehr bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe an, zeigen Möglichkeiten auf, sich im ÖPNV besser zurechtzufinden und wollen Sicherheit bei der Nutzung von Bus und Bahn vermitteln.
Der Grundstein:
Schon 1996 haben die Kreise Herford und Minden-Lübbecke sowie die 20 kreisangehörigen Kommunen mit der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft mbH (MHV) ein gemeinsames Serviceunternehmen gegründet, das sich für die Belange des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) einsetzt. Die MHV hat seitdem zahlreiche Beratungsmöglichkeiten für die Fahrgäste geschaffen. Das Thema der ehrenamtlichen Berater im Öffentlichen Personennahverkehr erreichte die MHV im Dezember 2004 als Initiative des damaligen Verkehrsmi-nisters, Herrn Dr. Axel Horstmann. Er griff damit eine Idee auf, die während der Laufzeit des Projektes „aufdemland.mobil“ des Bundesministeriums für Bil-dung und Forschung entstanden ist. Die MHV war u. a. mit der dezentralen Mobilitätsberatung an diesem Projekt beteiligt und konnte aus dieser Erfahrung heraus den Bedarf an wohnortnaher Beratung ausdrücklich unterstreichen. Im Jahr 2005 waren die MobilAgenten ein vom Land gefördertes Projekt (Zuwendung des Landes NRW, Umsetzung innovativer ÖPNV-Vorhaben). Projektziel war, 10 MobilAgenten zu finden und sie mit dem nötigen Know-how und der erforderlichen EDV-Ausstattung auszurüsten. Das unerschütterliche Engagement und die Überzeugung der MobilAgenten trugen entscheidend zum Gelingen des Projektes bei. Auch die Mithilfe der Kommunen, die z. B. bei der Suche nach MobilAgenten halfen und Bera-tungsräume zur Verfügung stellten, trugen zu der erfolgreichen Verwirklichung des Vorhabens bei. Am 18. Januar 2006 wurde mit der Vereinsgründung des Fördervereins „MobilAgenten im ländlichen Raum e.V.“ erreicht, dass wir unsere Beratungstätigkeit auch über die Projektlaufzeit hinaus weiter führen konnten.
Stark durch Kooperation:
Wie überall im Ehrenamt gilt auch für uns MobilAgenten das Motto:
Gemeinsam sind wir stark.
Innerhalb des Vereins gibt es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, verbunden mit dem Empfinden, etwas Bewirken zu wollen und zu können. Zu dieser Ansicht kam auch der damalige Geschäftsführer des ADAC OWL e.V., Herr Dr. Stefan Pfuff, und sagte den MobilAgenten seine Unterstützung zu. Auf den ersten Blick eine recht ungewöhnliche Konstellation, aber beim genaueren Hinsehen erklärt sich diese ansprechende Zusammenarbeit: Der ADAC Ostwestfalen-Lippe bietet seinen Mitgliedern einen 10 %igen Nachlass auf Abonnements des in Ostwestfalen-Lippe gültigen Tarifs „Der Sechser“ an. So können ADAC-Mitglieder, die regelmäßig Bus und Bahn nutzen, am Fahrpreis sparen. Verbunden wird mit diesem Angebot das Ziel, vor allem Pendler zu einer intelligenten Nutzung von sowohl PKW als auch Öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen. Auch wir MobilAgenten verfolgen u. a. dieses Ziel, so dass sich hier die Möglichkeit einer sinnvollen Kooperation rechtfertigt. Wir beraten nicht nur in Bezug auf Bus und Bahnnutzung, sondern geben auch Informationen zur ADAC-Mitgliedschaft und den damit verbundenen Vorteilen.
Die Zukunft der MobilAgenten:
Der Förderverein verfügt inzwischen über eine stabile finanzielle Basis. Die MHV ist dem Verein als Mitglied beigetreten. Durch Vorträge in politischen Ausschüssen und Gremien und im vorpolitischen Raum in Vereinen, Seniorenclubs, Firmen und Schulen usw., machen wir auf unsere Bera-tungstätigkeit aufmerksam. Die meisten Kommunen und der Kreis Minden-Lübbecke als Aufgabenträger, Unternehmen aus der Wirtschaft und Privatpersonen konnten inzwischen als Mitglieder gewonnen werden. Die Vereinsbeiträge sind gering gehalten. Wichtig ist dem Vorstand des Fördervereins lediglich die laufenden Kosten, und notwendige Wer-bemaßnahmen, wie Plakate, Flyer und Anzeigen bezahlen zu können.
Mit dem „ColumBus“ vor Ort.
Die MHV stellt dem Verein das Beratungsfahrzeug „ColumBus“ zur Verfügung. Durch diese Möglichkeit wird die Beratung vor Ort ermöglicht. Eine Informationsmöglichkeit die von den Ratsuchenden sehr gerne angenommen wird.
Andererseits sparen wir durch diese Möglichkeit die Anschaffung eigener kostspieliger Präsentationsmöglich-keiten und können uns mit diesem Fahrzeug werbewirksam und an-sprechend darstellen.
Neben den regelmäßigen Sprech-stunden und der telefonischen Beratung, die auch durch ein Servi-cetelefon sicher gestellt wird, kön-nen wir aber auch noch auf andere Angebote hinweisen:
- Wir bieten Schulen Unterstützung bei Ausflugsplanungen oder
- der Gestaltung des Unterrichts zur Mobilitätserziehung an. Und
- Wir gehen auf Unternehmen zu, um dort betriebliche Mobilitätsberatung zu etablieren. Auch so können die Pendler erreicht werden.
Übertragbar auch in andere Regionen?
Das Projekt „MobilAgenten“ ist für die vorwiegend ländlichen Regionen der Kreise Minden-Lübbecke und Herford konzipiert. Unser Vorgehen ist von den Besonderheiten und Bedürfnissen dieser Region geprägt. Zu den Besonder-heiten dieser Gegend zählt neben einem oft ausgeprägten Vereinsleben und einer gepflegten Nachbarschaft auch, dass die Straßen selbst im Berufsverkehr größtenteils frei sind und die Versorgung mit Bus- und Bahnanbindungen eher dünn ist. Daraus folgt, dass an die Mobilitätsberatung andere Anforderungen gestellt werden als in Großstädten, in denen Öffentliche Verkehrsmittel zum Straßenbild gehören und Parkplätze häufig nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen. Unter Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten ist dieses System der ehrenamtlichen Mobilitätsberater aber gewiss auf andere Regionen übertragbar.
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